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Weihnachts- und Neujahrsbräuche aus aller Welt

Feiern mit Jultomte und Väterchen Frost: Alle Jahre wieder binden wir Ende November einen Adventskranz aus Tannenzweigen, stecken vier Kerzen darauf und bereiten uns auf Weihnachten vor.


Wir kramen auf dem Speicher oder im Keller nach den Kisten mit Rauschgoldengeln, Weihnachtspyramiden, Krippenfiguren und Christbaumkugeln. Wir backen mit den Kindern Plätzchen oder basteln Strohsterne. Der Advent ist gekommen und damit der Beginn vieler traditioneller Feste und Bräuche, die uns schon seit der Kindheit begleiten – vom Adventskalender und dem Nikolaus-Stiefel bis hin zum Krippenspiel und der Christmette an Heilig Abend oder dem Bleigießen und Raketenschießen an Silvester.

Solche Bräuche sind wunderschön und werden von Generation zu Generation weitergegeben. Jeder, der Weihnachten schon im Ausland verbracht hat, kennt das Gefühl, dass man dort immer etwas vermisst – nämlich das für die Heimat typische, traditionelle und vertraute Weihnachten. Sicher geht es auch vielen der mehr als 17.000 ausländischen Bürger, die im Landkreis Freising leben, ähnlich. Viele davon sind in christlich geprägten Ländern aufgewachsen, in denen Weihnachten und Neujahr aber ganz anders gefeiert wird als in Deutschland oder in Bayern.


Schweden

Staffan Lennartson zum Beispiel kommt aus Schweden und er vermisst in der Vorweihnachtszeit vor allem die Santa-Lucia-Umzüge am 13. Dezember. Seit vier Jahren lebt er mit seiner deutschen Frau Monika und den drei Söhnen in Freising und hat deshalb das traditionelle Fest lange nicht mehr miterlebt. In Schweden gehen die Kinder und Jugendlichen an diesem Tag – einem der dunkelsten im Jahr – vor Sonnenaufgang durch die Straßen, singen Weihnachtslieder und bekommen dafür Bonbons geschenkt. Die Mädchen erhellen die Dunkelheit mit den leuchtenden Kerzenkränzen, die sie auf dem Kopf tragen und die Jungs verkleiden sich als Sternenbuben. Der Sage nach hat die sizilianische Heilige Lucia (4. Jhd.) Schweden vor einer Hungerkatastrophe bewahrt. Damit Philipp (6), David (4) und der kleine Theo (1) die Bräuche aus der Heimat ihres Vaters kennen lernen, feiert Mutter Monika das Lucia-Fest mit anderen schwedischen Familien aus dem Landkreis, die sich zu einer schwedischen Spielgruppe zusammengetan haben. 

Immerhin jedes zweite Jahr schaffen es die Lennartsons, das Weihnachtsfest in Christianstad im schwedischen Bezirk Schonen zu feiern, und zwar mit allem Drum und Dran: dem aufwendigen Weihnachtsbuffett, genannt Smörgasbord, mit Hering, Wurst aller Art, Schinken, Schweinesülze, Fleischklösschen, Stockfisch und Brei; dem Tanz um den Weihnachtsbaum und den Geschenken, die der schwedische Weihnachtsmann Jultomte persönlich vorbeibringt. Ein wenig verwirrend ist das für die Kinder schon, räumt Monika Lennartson ein. »Unser ältester Sohn Philipp will mittlerweile doch gerne wissen, warum in Bayern das Christkind für die Bescherung zuständig ist, und in Schweden der Jultomte kommt.« Ein bisschen Weihnachtskuddelmuddel also, aber egal, Hauptsache, es gibt überhaupt Geschenke.


Ukraine

In der Ukraine zum Beispiel bringt diese Väterchen Frost, eine Art kommunistischer Nachfolger des Hl. Nikolaus, aber erst am Neujahrstag, wie Marina Valdivia erklärt. Die promovierte Biologin aus Kiew lebt seit 1999 mit Ihrem peruanischen Mann Jorge in der Domstadt. Sie selbst gehört der russisch-orthodoxen Kirche an, ihr Mann und die Kinder Valeria (3) und Andrej (1) sind katholisch. Die Multikulti-Familie feiert zwar nach katholischem Brauch am 24. Dezember, dennoch sind die Weihnachtsfeiertage auch von der ukrainische Tradition beeinflusst. Und das bedeutet, dass Weihnachten erst am 7. Januar, Heilig Abend am 6. Januar stattfindet. Sobald der erste Stern am Himmel zu leuchten beginnt, setzt man sich an den Weihnachtstisch, an dem genau 12 fleischlose Gerichte serviert werden. Marina feiert das Weihnachtsfest mit ukrainischen Freunden, die aus ganz Deutschland an diesem Tag zu Besuch kommen. 

So bekommen auch die Kinder einen Eindruck davon, wie in der Heimat ihrer Mutter diese Feiertage begangen werden, was der Ukrainerin sehr wichtig ist. Für die ukrainische Familie ist generell die Neujahrsfeier bedeutender als Weihnachten. Das hängt damit zusammen, dass im kommunistischen Regime alle religiösen Feiertage verbannt wurden und man sich darauf verlegte, statt Christi Geburt den Jahreswechsel groß zu feiern. »Erst vor 16 oder 17 Jahren wurde Weihnachten wieder zum Feiertag erklärt, es entstanden neue Kirchen und die Menschen begannen wieder, ihre Religion zu leben«, so Marina Valdivia. 

An Neujahr wird ein üppiger Russischer Salat mit Mayonnaise, Erbsen, gekochtem Fleisch, Eiern, Hühnchen und Zwiebeln aufgetischt. Die Kinder werden am Neujahrstag beschenkt. Tochter Valeria ist mir ihren drei Jahren auch schon alt genug für die berühmten russischen Neujahrsmärchen, die immer von Väterchen Frost, den Schneemädchen und dem Neujahrsbaum handeln.


China

Auch in der chinesischen Tradition wird vor allem das neue Jahr mit rauschenden Festen und vielen Bräuchen gefeiert. Obwohl auch in der Freisinger Familie Hobelsberger die Kinder Nathalie und Leon (6) wie ihr Vater katholisch sind, begeht die chinesische Mutter Xin das Neujahrsfest gemeinsam mit befreundeten deutsch-chinesischen »Joint-Venture-Familien« nach Art ihres Heimatlandes. Nach dem chinesischen Mondkalender verlassen wir am 29. Januar das Jahr des Hahns und das Jahr des Hundes beginnt. Zum Neujahrstag bekommt in der Familie Hobelsberger jeder mindestens ein neues Kleidungsstück, die Kinder werden gar von Kopf bis Fuß neu eingekleidet. Es gibt sogar für jeden einen neuen Haarschnitt, denn das bringt Glück. Ebenso wie die roten und goldenen Farben, in denen die Wohnung geschmückt wird. Das Feuerwerk in der Neujahrsnacht schließlich vertreibt die bösen Geister.


Großbritannien

1644 verboten die Puritaner für 12 Jahre die Weihnachtsfeierlichkeiten. Gewaltsam wurden die Kirchen geschlossen und die Geschäfte offen gehalten. Christmas war nach ihrer Meinung zu eng mit heidnischen Riten verknüpft. In diesen Jahren wurde die »Zeit der Heimlichkeiten« sehr wörtlich genommen. Bis 1752 hielt man sich an den Julianischen Kalender. Daher wurde Christmas am 6. Januar (Twelfth Night) gefeiert. Letztendlich hat auch hier »Gregor« gewonnen und der britische Turkey, auch der Plumpudding, wird am 25. Dezember verspeist. Der Tag, an dem Father Christmas die Geschenke durch den Kamin bringt. 

In der Weihnachtszeit geht es sehr fröhlich zu. Traditionell besucht man »Pantomimen«. Das sind wilde Aufführungen von Märchen oder historischen Geschichten. Die Stimmung auf den Plätzen und in den Straßen wird durch unzählige Lichter betont. »Father Christmas« knipst die Lampen in Covent Garden selber an. Der wunderschöne Baum am Trafalgar Square ergänzt das weihnachtliche Flair. Mistelzweige verzieren die Türrahmen. »On Christmas Day« darf jede Frau geküsst werden, die unter einem Mistelzweig angetroffen wird. 

Am Boxing-Day, dem 26. Dezember, werden Freunde und Bekannte besucht. Der Name stammt von den Boxen, in denen z.B. die Dienstboten ihre Weihnachtsgeschenke erhielten. Die Mari Lwyd (weißvermummte Gestalt) treibt am 6. Januar ihr Unwesen. Sie klingelt an den Wohnungen, stellt Rätsel und will gleichfalls befragt werden, aber wehe den Gefragten fällt kein eigenes Rätsel ein, dann werden sie von der Mari Lwyd gebissen und müssen die weiße Gestalt bewirten.


Holland

In den Niederlanden beschränkt sich das Weihnachtsbrauchtum auf die Nikolauszeit vor dem 6. Dezember. Für viele kleine Holländer ist der Sinterklaas-Abend der schönste Feiertag des Jahres. In den Küstenorten kommt der Sinterklaas drei Wochen vor seinem Geburtstag oder am letzten Samstag im November mit einem Schiff in einem der alten holländischen Häfen an – angeblich aus Spanien. An diesem Abend stellen die Kinder einen Schuh vor den Kamin mit einem Wunschzettel, daneben ein Wassergefäß und eine Mohrrübe oder Heu für das Pferd des Nikolaus. Am nächsten Morgen finden sie an dieser Stelle kleine Nikolausfiguren aus Schokolade, Pepernootjes (Pfefferkuchen) und Taai-taai (ein Lebkuchenmännchen) mit einem kurzen witzigen Gedicht. 

Am 5.12. kommt Sinterklaas und das wird sehr groß gefeiert: Man legt für den Abend einen großen Sack mit Geschenken für die ganze Familie vor die Haustür. Sein Begleiter, der »Zwarte Piete« verteilt an die Kinder Pepernootjes. Ausserdem gibt es einen »Rommelpiet«, der sich immer verläuft und für den Spaß sorgt und einen »Musikpiet«, der mit den Kindern singt. Sinterklaas sieht aus wie ein Bischof, und wirft mit Piet die Geschenke durch den Schornstein.

Ein Tag nach Sinterklaas kommen die Weihnachtsbäume. Am 24.12. wird auch in Holland Weihnachten gefeiert – allerdings geht man nur in die Kirche. Geschenke gibt es an diesem Tag keine mehr, da man die ja schon vom Sinterklaas bekommen hat. Nach dem Beten erwartet einen zu Hause ein Festmal und manchmal bekommt man dann doch noch ein kleines Geschenk. Es gibt keine Adventszeit, aber die Holländer sind gut drauf. Auch die niederländische Weihnachtszeit endet mit dem Dreikönigstag. Dann ziehen drei ausgewählte Männer als Könige verkleidet von Haus zu Haus, singen Lieder und werden dafür bewirtet.


Frankreich

Noel heißt Weihnachten in Frankreich, und der Papa Noel, also der Weihnachtsmann, bringt in der Nacht vom 24. zum 25. Dezember die Geschenke durch den Schornstein. Deshalb stellen die Kinder ihre Schuhe an den Kamin. Am Vorabend feiert man le réveillon, das ist das Festessen für den Heiligabend. Zu diesem Essen gibt es viele leckere Vorspeisen, eine Pute mit Maronen und zum Abschluss einen Kuchen, der wie ein Holzscheit aussieht, deshalb la bûche. In der Provence wird die Krippe mit vielen schönen farbigen Tonfiguren, den Santons, geschmückt. Dort gibt es auch den Brauch der 13 Desserts. Also bon appétit et joyeux Noel.


Die Bräuche und Traditionen zu Weihnachten und Neujahr sind so unterschiedlich wie die Menschen, die sie feiern. So bringt in Italien die Hexe Befana am 6. Januar den braven Kindern Geschenke, den bösen ein Stückchen Kohle. In Griechenland legt der Heilige Vassilius in der Neujahrsnacht den Kindern Geschenke vor ihr Bett. 

Andere Länder, andere Bräuche. Manche davon mögen uns lustig oder fremd erscheinen, aber am Ende geht es doch in allen Ländern um eines: Dass die Familie an Weihnachten oder an Neujahr zusammenkommt und fröhlich feiert. 
[Katrin Ruiz, Rupert Finch, Marieke Rijnsburger, Reinhild Frotscher-Hoff]