EinschulungSonderfälle bei der Einschulung

Nicht für jedes Kind ist der »normale« Einschulungstermin ideal. Kinder, die in Ihrer geistigen und körperlichen Entwicklung noch nicht so weit sind, sollten besser später Eingeschult werden. Bei Hochbegabten ist aber auch eine vorzeitige Einschulung möglich.


Vorzeitige Einschulung

Schulpflichtig werden alle Kinder, die bis zum 30. Juni das 6. Lebensjahr erreicht haben. Eine frühere Einschulung von Kindern, die bis 31. Dezember 6 Jahre werden, ist möglich, falls die Kinder in ihrer geistigen und körperlichen Entwicklung so weit sind, dass sie erfolgreich am Unterricht teilnehmen können. Bei noch jüngeren Kindern ist ein schulpsychologisches Gutachten notwendig. Für die frühzeitige Einschulung macht sich der Schulleiter ein Bild vom Entwicklungsstand des Kindes durch: Gespräch mit den Eltern, Gespräch mit dem Kindergarten, Einschulungsverfahren nach Wahl des Schulleiters, Untersuchung durch die Schulärztin.


Zurückstellung von der Einschulung

Eine Zurückstellung von der Einschulung bei Kindern, die bis zum 30. Juni 6 Jahre werden, ist möglich, falls die Kinder in ihrer geistigen und körperlichen Entwicklung noch nicht so weit sind, dass zu erwarten ist, dass sie erfolgreich am Unterricht teilnehmen können. Meist schaffen sie dann im nächsten Jahr den Anschluss problemlos. Aber unter Umständen ist es sinnvoll, das Kind bis zum späteren Schuleintritt und darüber hinaus mit einem Förderkonzept zu begleiten. Denn manchmal braucht es Unterstützung, um den Rückstand zu den Altersgenossen aufzuholen, z.B. durch therapeutische Begleitung vor und während des ersten Schuljahres, den Besuch einer Förderklasse (Anstelle der ersten zwei Grundschuljahre) oder einer heilpädagogischen Einrichtung (z.B. heilpädagogischer Hort).


Legastheniker und lese-rechtschreibschwache Kinder

Im Gegensatz zur Lese-Rechtschreibschwäche, die eher auf äußere Einflüsse zurückzuführen ist und deshalb langfristig therapiert werden kann, handelt es sich bei der Legasthenie um eine biologisch-genetisch bedingte Krankheit, die nur schwer behandelt werden kann. 
Legasthenie und Lese-Rechtschreibschwäche werden meist erst im Laufe der Grundschulzeit erkannt. Ein Kind mit Lese-Rechtschreibschwäche ist oft auch in seiner gesamten sprachlichen Ausdrucksfähigkeit eingeschränkt, Legastheniker hingegen haben in der Regel keine anderen Defizite, können durchaus aufgeweckte und sprachgewandte Schüler sein. Laut Bayerischem Kultusministerium sind Lese-Rechtschreib-Schwäche und Legasthenie »kein Hindernis für einen Übertritt an ein Gymnasium oder eine Realschule, wenn anzunehmen ist, dass die Schüler an dieser Schulart mit Erfolg am Unterricht teilnehmen können.«


Hochbegabung

Hochbegabung zeigt sich nicht immer schon vor Eintritt in die Schule, es gibt aber bereits bei der Einschulung oder während der ersten Grundschulklasse Hinweise, die Rückschlüsse auf eine Hochbegabung zulassen: Hochbegabte drücken sich gewählter und ausgereifter aus als Gleichaltrige. Sie möchten viele Dinge wissen und lernen und erarbeiten sich Fachgebiete selbständig und sehr gründlich. Sie können sich vieles merken und ordnen ihr Wissen im Kopf systematisch, so dass sie Verbindungen herstellen können. Sie beobachten sehr genau und interpretieren aus ihrem Wissen heraus, was sie sehen. Sie interessieren sich für Erwachsenenthemen und stellen viele Fragen. Aber sie sind auch bei Routinearbeiten schnell gelangweilt und mit sich selbst oft unzufrieden, wenn sie ihren eigenen Ansprüchen an sich selbst nicht genügen.
Damit hochbegabte Kinder nicht aus Langeweile und Unterforderung die Teilnahme am Unterricht verweigern oder stören und so statt mit blendend guten mit schlechten Noten nach Hause kommen, sollte nach einer Lösung gesucht werden, um das Kind seinen Fähigkeiten gemäß zu fördern. Dies könnte durch vorzeitige Einschulung und Überspringen einer oder mehrerer Klassen geschehen oder durch den Besuch der Hochbegabtenklasse einer regulären Schule.


Tipps:

Am Münchner Maria-Theresia-Gymnasium startete im Herbst 2003/04 die sechste Hochbegabtenklasse. Der Schulbesuch dort richtet sich an Kinder mit herausragenden schulischen Leistungen und solchen, bei denen Befunde der Begabungsdiagnostik das Vorliegen hoher Intelligenz vermuten lassen (»Underachiever«). Seit dem Schuljahr 2003/04 gibt es eine Hochbegabtenklasse am Otto-von-Taube-Gymnasium in Gauting, wo bevorzugt Mädchen aufgenommen werden. 
Am einzigen Montessori-Gymnasium in Bayern auf »Gut Biberkor« in der Gemeinde Berg am Starnberger See werden ebenfalls Hochbegabte aufgenommen.
[Elke Virginia Koch]