In der Sprache baden

Immer mehr Kinder im Vorschulalter lernen eine Fremdsprache, zumeist Englisch. Sich im Dschungel der Angebote zurechtzufinden ist da nicht immer ganz leicht. Gemeinsam ist allen – am besten lernen Kinder spielerisch.


Der Igel rennt über die dicken, bunten Teppiche des Unterrichtszimmer, eine Horde von Kindern auf den Fersen. Sie scheinen vergessen zu haben, dass sie einer Handpuppe folgen, keinem echten Tier. »Where is the hedgehog now?«, fragt Englisch-Lehrerin Christine-Virginia Franken die Zwei- bis Vierjährigen. »Under the window«, ruft die Kinderhorde. Wieder lässt Christine-Virginia Franken den Igel durch das Zimmer laufen. »And where is the hedgehog now?«...
Englisch-Unterricht für Klein- und Vorschulkinder ist echte Knochenarbeit. Da wird gerannt, gehüpft, gesungen, getanzt und natürlich ausschließlich Englisch gesprochen. Die Mütter sitzen derweil dabei und müssen sich auf die Lippen beißen, ihren lieben Kleinen nur ja nicht vorzusagen. Wenn sie es denn überhaupt besser wissen als ihr Nachwuchs.
Hier im English-Learning-Center in Eching wird nach der Helen Doron Methode gearbeitet. Kinder ab etwa 10 Monaten werden von pädagogisch ausgebildeten Muttersprachlern auf spielerische Weise an das Englische herangeführt. Sie sollen vom Klang der Sprache so selbstverständlich umgegeben sein, als würden sie im Ausland leben.
Fremdsprachen-Kurse für Vorschulkinder erleben derzeit einen Boom. Obwohl schon seit Jahren im Angebot spezialisierter Sprachinstitute und vieler Volkshochschulen ist die Nachfrage enorm angestiegen. Die PISA-Studie hat viele Eltern aufgeschreckt. Sie möchten ihr Kind frühzeitig fördern, damit es sich später in der Schule und im Leben leichter tut. »In Deutschland wird jetzt nur aufgeholt, was in anderen Ländern seit Jahren selbstverständlich ist«, meint Christine-Virginia Franken, Englisch-Lehrerin und Leiterin des English-Learning-Centers. Gerade Kinder im Vorschulalter sind enorm wissbegierig und lernfähig, würden hierzulande aber häufig unterfordert.
Deshalb lernen die Kleinen im English-Learning-Center nicht nur Englisch, sondern werden auch an die Naturwissenschaften herangeführt. Machen chemische Experimente, schauen sich astronomische Modelle an und studieren anhand von mitgebrachten Tieren die Tierarten. Natürlich alles auf Englisch. 


»Mein Kind sollte nicht so ein 
Englisch-Depp werden wie ich«

Da tun sich ihre Mütter oft schwerer. »Mein Kind sollte nicht so ein Englisch-Depp werden wie ich«, meint Barbara, deren Tochter Annika zu den ersten Kindern gehörte, die 2002 das neugegründete Englisch-Learning-Center besuchten. Unterrichtet wurde damals noch in einem Kellerraum in Christine-Virginia Frankens Haus in Massenhausen. Inzwischen verfügt die Schule über eine halbe Etage in einem Industriegebäude im Gewerbegebiet Eching. Und sie wächst weiter. Und mit ihr andere Englisch-Anbieter in der Region Freising. Die Nachfrage nach Sprachunterricht für Vorschulkinder steigt nach wie vor. Raumprobleme kennt Brigitte Kesenheimer, Leiterin der Abrakadabra Spielsprachschule, trotz großer Schülerzahl nicht. Hier wird der Unterricht von qualifizierten Lehrern in den Privaträumen von Gasteltern abgehalten, die dafür ihre eigenen Kinder kostenlos teilnehmen lassen können. Ganz im Sinne der Formel »Abrakadabra« sollen die Kinder zwischen 4 und 10 Jahren sich in eine andere Welt, die ihre eigene – die englische – Sprache hat, verzaubert fühlen. Auch hier wird die Sprache spielerisch und altersgemäß vermittelt. »Wir spielen mit den Kindern in der fremden Sprache, so lernen sie scheinbar nebenbei Englisch, ohne erzwungenen Lernerfolg«, meint Brigitte Kesenheimer zum Konzept von Abrakadabra, das seit 2000 in Freising existiert, ebenso wie das Englisch-Learning-Center als Niederlassung einer europa- (Abrakadabra) bzw. weltweiten (Helen Doron) Sprachlernschule. »Immersionsmethode« nennt sich diese Vorgehensweise der Sprachvermittlung bei Abrakadabra, die Kinder sollen ins »Sprachbad« geworfen werden und dort langsam »schwimmen lernen«. Spielerisch und ohne Leistungsdruck. Auch in vielen Volkshochschulen werden Sprachkurse für Vorschulkinder angeboten. Neben Englisch können sie hier auch Französisch, Italienisch, Spanisch und sogar Arabisch lernen. In der Herbstsaison bieten die Volkshochschulen in Eching, Freising, Moosburg und Nandlstadt entsprechende Kurse an. 


»Die Kinder sind immer
mit viel Spaß bei der Sache«

Die Kindergärten können und wollen da nicht zurück- stehen. Auf Wunsch vieler Eltern gibt es dort inzwischen Englisch-Kurse, die gesondert vom Kindergartenbetrieb abgehalten werden. Eine der zahlreichen Lehrerinnen, die in Kindergärten unterrichten, ist Margit Koch.
Sie hat viele Jahre Englisch-Unterricht in der Neufahrner und Allershausener Volkshochschule gegeben. Jetzt bringt sie den Vorschulkindern des Freisinger Kindergartens Neustift II die Fremdsprache näher. Als Vorbereitung für die bald beginnende Schule. Obwohl auch hier die Sprache überwiegend spielerisch vermittelt wird, möchte Margit Koch die Kinder auch an in der Schule benötigte Fertigkeiten wie Stillsitzen, einen Stift halten, sich konzentrieren heranführen. Die Kinder seien immer mit viel Spaß bei der Sache, meint Margit Koch. 


»Ohne Englisch wird im 
Kindergarten ja nur gespielt«

Doch der Englisch-Unterricht in den Kindergärten ist nicht unumstritten. Eine Erzieherin aus dem Landkreis sieht dieses Angebot durchaus zwiespältig. Sie vermutet, dass viele Eltern auf den Englisch-Kurs im Kindergarten drängen, um sich zusätzliche Fahrwege zu ersparen, und dafür unter Umständen weniger qualifizierte Lehrkräfte in Kauf nehmen. So seien zuweilen aus Geld- oder Personalmangel die Erzieher selbst gezwungen, den Unterricht zu übernehmen. Was wenig Sinn mache, wenn der Lehrer im eigenen Schulenglisch radebreche. Zudem sieht sie durch den Ehrgeiz der Eltern die eigentliche Funktion der Erzieher unterschätzt. »Ohne Englisch wird im Kindergarten ja nur gespielt«, habe sie schon als Klage zu hören bekommen. »Die Erzieher können nichts als spielen.« Aber genau das ist, wovor sie warnt. Das Spielen als Zeitverschwendung zu betrachten und den Kindern mit besten Absichten den Terminkalender mit Unterrichtsangeboten vollzustopfen. Auch Langeweile gehöre zum Kinderleben. Wenn ständig andere dem Kind sagen würden, was es tun soll, könne keine Kreativität aus ihm selbst heraus entstehen.
Viele Eltern sehen das ähnlich. Sie wollen ihr Kind fördern, aber nicht überfordern. Eine Fremdsprache und eine Sportart, zwei Termine in der Woche, das sei die angemessene Mischung zwischen Lernen und Spielen, meinen Barbara und die Mütter anderer Kursteilnehmer im Englisch-Learning-Center. Spass muss sein im Kinderleben – umso besser, wenn er auf Englisch stattfindet.
[Elke Virginia Koch]


English-Learning-Center Eching
Dieselstraße 24
85386 Eching
Tel.: 08165/77100
Fax: 08165/77101
Email: C.V.Franken@t-online.de

Freising
Obere Hauptstraße 3
85354 Freising
Tel.: 08161/789879
Email: info@elcfs.com

Sprachkurse für Kinder bieten auch die VHS Eching, VHS Freising und VHS Moosburg an.