Kunst und Spiel50 Jahre Kunst und Spiel

Kunst und Spiel – das wohl älteste Holzspielzeug Geschäft überhaupt – wurde 1956 gegründet. Ganz entgegen dem damaligen Trend zu Kunststoffprodukten, die »erfolgreich« in die Kinderzimmer eingezogen waren.


Michael Peter, der Begründer von Kunst und Spiel, hatte den Impuls, pädagogisch wertvolles Spielzeug und andere ästhetisch gestaltete Dinge aus natürlichen Materialien, die auf der ganzen Welt verstreut hergestellt wurden, an einem Ort zu versammeln und anzubieten. So entstand zunächst ein Ausstellungsraum im 3. Stock seiner Altbauwohnung in der Georgenstraße im Münchner Ortsteil Schwabing. Durch den großen Zuspruch, der vor allem von Menschen, die der Waldorfschule, der Anthroposophischen Gesellschaft und der Christengemeinschaft zugehörig waren, konnte 2 Jahre später ein kleiner Laden im Erdgeschoss an der heutigen Adresse in der Leopoldstraße 48 eröffnet werden.


Holzspielzeug lag in den 50ern 
vollkommen neben dem Trend

Das Angebot an pädagogisch wertvollem Holzspielzeug war damals sehr gering. Zwar gab es aus den Impulsen der Waldorfpädagogik bereits in den 20ger und 30ger Jahren eine durchaus umfangreiche Spielzeug-Produktion, die jedoch durch die Weltkriegsereignisse und den Siegeszug von Plastik- und Plüschspielzeugen Ende der 40ger Jahre verdrängt wurde. Die Firma Ostheimer, die es damals bereits gab, musste ihre Produktion wegen Nachfragemangel einstellen. So erfolgte die Gründung von Kunst und Spiel vollkommen gegen den allgemeinen Trend und es ist ein großes Verdienst von Michael Peter, dass er seine Kraft für den Wiederaufbau einer Bewegung für pädagogisch wertvolles Spielzeug einsetzte. Neben dem Ladengeschäft wurde ein Versand eingerichtet und Michael Peter veranstaltete in ganz Deutschland an Waldorfschulen und anderen Orten Ausstellungen über »Gutes Spielzeug«. Außerdem ermutigte er viele Firmen die Herstellung wieder aufzunehmen und auch die Firma Ostheimer begann wieder Holzfiguren zu produzieren.

Neben dem Holzspielzeug waren von Anfang an auch Bastel- und Handarbeitsartikel, hochwertige Textilien und kunsthandwerkliche Artikel im Angebot. In den 70ger Jahren wurde dann die Buchabteilung eingerichtet, die neben Kinder- und Jugendbüchern vor allem Bücher aus dem anthroposophischen Sortiment und der Waldorfpädagogik führt.


Viele Naturwaren- und Holzspielzeugläden haben
sich an Kunst uns Spiel orientiert.

In den 80ger und 90ger Jahren, als das Bewusstsein für die Qualität zunahm und sich die sogenannte Ökobewegung entwickelte, entstanden viele Naturwaren- und Holzspielzeugläden. Bei den Gründungen haben sich viele Geschäfte an Kunst und Spiel 
orientiert und von Michael Peter immer Hilfe in Form von Rat und Tat bekommen. So haben sich viele auch am Namen orientiert und die Läden hießen z.B. »Buch und Spiel« oder »Textil und Spiel«. Und solange der Versand noch existierte, war es üblich, dass in anderen Städten Menschen in die Spielzeugläden gingen, den Kunst und Spiel Katalog in der Hand, um zu zeigen, was sie wollten. Der Versand musste 1998 endgültig aufgegeben werden, aber auch heute noch ist der Umfang des Angebotes bei Kunst und Spiel unübertroffen.

Die Pioniersituation der späten 50er Jahre, in der Michael Peter Kunst und Spiel, gegen den Zeitstrom anschwimmend, gegründet hat ist natürlich längst vorbei. Heute scheint es aus ganz anderen Gründen wieder entscheidend wichtig, sich gegen den Strom zu stellen. Denn im Zuge der Pisa-Debatte ist eine wahre Welle von gut gemeinten, jedoch in der Wirkung häufig fatalen Frühförderungsmaßnahmen in Gang gekommen, die das Kinderspiel massiv bedrohen. Da die Wichtigkeit von gutem, kindgemäßem Kinderspielzeug und des kindlichen Spiels überhaupt für die gesunde menschliche Entwicklung von jeher eines der großen Anliegen von Kunst und Spiel war, besteht heute eine zentrale Aufgabe darin, hier erneut Bewusstsein zu schaffen.
[Thomas Heck]


Kunst und Spiel
Leopoldstraße 48
80802 München
Telefon 089/3816270
www.kunstundspiel.de