SylvesterböllerSylvesterböller

Vorsicht bei Sylvesterböller: Ohne Gehörschutz kann es bei Kindern zu sogenannten Knall- oder Explosionstraumata mit vorübergehendem, länger anhaltendem oder gar bleibendem Hörverlust kommen.


Über 200 Millionen meist schwer erarbeiteter Euros werden jedes Jahr an Sylvester in die Luft geschossen. Allein in der Bundesrepublik. Weshalb viele Menschen – trotz aller Aufrufe, das Geld lieber wohltätigen Organisationen zu spenden –, das Neue Jahr nicht willkommen heißen können ohne dabei mordsmäßigen Lärm zu veranstalten, ist schwer zu ergründen. Tradition? Brauchtumspflege? Oder einfach die (infantile?) Lust, es einmal im Jahr so richtig »krachen zu lassen«?

Egal, was nun die Motivation für den Lärmterror zu Beginn des Neuen Jahres ist: Kleinkinder sind allemal die Leidtragenden. Sie können durch den unvermittelten und explosionsartigen Krach um Mitternacht schwer traumatisiert werden. Es empfiehlt es sich, ihnen vor dem Zubettgehen etwas Watte oder Ohropax in die Ohren zu stecken, sofern nahe der eigenen Wohnung Feuerwerk und Kanonenschläge zu erwarten sind. 

Auch ältere Kinder, die bis Mitternacht aufbleiben und vielleicht gar ins Freie gehen dürfen, unterliegen dem Risiko schwerer Gesundheitsschädigungen: durch das extrem laute Geknalle – Kanonenschläge können bis zu 160 Dezibel erreichen, gemessen in 10 m Entfernung – kann es ohne Gehörschutz zu sogenannten Knall- oder Explosionstraumata mit vorübergehendem, länger anhaltendem oder gar bleibendem Hörverlust kommen (die Schmerzgrenze liegt bei 120 Dezibel). Auch Tinnitus oder akute Schmerzzustände können auftreten, es kann zu Verletzungen am Innen- und Mittelohr kommen, desgleichen am Vestibularorgan (Trommelfellzerreißung, Kettenluxation, Fensterruptur etc.). 

Wer meint, seinen Kindern das zweifelhafte Sylvestergekrache nicht vorenthalten zu dürfen, sollte dafür sorgen, dass sie ausreichenden Gehörschutz tragen (zumindest Ohropax). Unter keinen Umständen dürfen Kinder selbst Böller oder Schweizerkracher zünden, da sie den erforderlichen Sicherheitsabstand von zumindest 50 Metern dann nicht einhalten können. 

Noch ein weiteres Argument spricht gegen das Böllern in der Neujahrsnacht: Haustiere können in helle Panik geraten, so mancher Hund und manche Katze, die ja ein noch viel feineres Gehör haben als der Mensch, sind schon Hals über Kopf davongelaufen und haben nicht mehr nach Hause gefunden. Auch die Wildtiere werden in Angst und Schrecken versetzt.

In Taiwan, China und Indien, von wo die Böller importiert werden, verlieren jedes Jahr hunderte von Kindern Hände, Arme, ihr Augenlicht oder ihr Leben bei der Herstellung von Krachern und Raketen für das hiesige Neujahrsfest. Ein Grund mehr, auf das Geknalle komplett zu verzichten.
[Claudia Goldner, Dipl.Päd [Univ.]/Logopädin]