Blühender Winter – der Brauch vom Barbarazweig

Wenn der Winter näher rückt, kommt unvermeidlich die Zeit, in der der Garten immer leerer und kahler wird, das Grün weitgehend verschwindet und von Blüten keine Spur mehr ist. Gerade für Kinder, die sonst gerne ihre Zeit mit Spielen im Garten, auf Wiesen und Feldern verbringen, kann diese Jahreszeit ziemlich trist sein. Und trotzdem kann man sich ein bisschen blühende Natur auch in dieser Zeit erhalten und dabei noch einiges über einen alten Brauch lernen.


Die Legende der Heilige Barbara

Lucas Cranach the Elder [Public domain], via Wikimedia CommonsDas Ganze verdanken wir der Heiligen Barbara. Diese eigenwillige, junge und sehr schöne Frau soll um 300 nach Christus in Nikomedien gelebt haben, das liegt in der heutigen Türkei. Geboren in einem heidnischen Elternhaus, der Vater egoistisch, autoritär und vor allem alles andere als begeistert von Barbaras starkem christlichen Glauben. So ließ er sie schließlich in einen Turm sperren. Dort sollte sie vom Glauben abfallen und bestraft werden für den Widerstand gegen den Vater. Doch der Plan ging nicht auf: Sie hielt fest an ihrem Glauben und das wiederum erzürnte den Vater so sehr, dass er seine eigene Tochter tötete – sie starb den Tod einer Märtyrerin.

Etwa im Jahr 700 n. Chr. fand die Heilige Barbara deshalb erstmals Erwähnung. Ihre Legende verbreitete sich ab da immer weiter und fand vor allem während der Gegenreformation wieder besondere Beachtung. Barbara wurde schließlich sogar zur Schutzpatronin gegen den schnellen und unerwarteten Tod, gegen Unwetter und Feuer. Vor allem von Bergarbeitern, sowie von Glockengießern und Glöcknern erfuhr sie besondere Verehrung. So hat es ihre Geschichte bis in die Gegenwart geschafft und beschert so manchem Haushalt eine blütenreiche Weihnacht.

Abbildung: Die heilige Barbara in einer bewaldeten Landschaft,
Lucas Cranach the Elder [Public domain], via Wikimedia Commons

Die Bedeutung der Barbara-Zweige

BarbarazweigeDoch woher kommen denn nun die Barbara-Zweige, die auch heute noch in so manchen Wohnzimmern zu finden sind?
Als Barbara in den Turm gebracht wurde, verfing sich der Legende nach ein Zweig in ihrem Kleid, den sie in ihr Gefängnis mitnahm. Dort stellte sie ihn auf und er erblühte nach einigen Tagen.

Das ist der Grund, warum in vielen Haushalten am 4. Dezember, dem Barbara-Tag, Zweige aufgestellt werden, in der frohen Erwartung, dass sie bis zum Weihnachtstag Blüten tragen. Ein blühender Zweig ist oftmals aber mehr als nur ein schönes, hoffnungsvolles Zeichen in trister Jahreszeit: Vielerorts gelten sie als gutes Vorzeichen für positive Dinge im kommenden Jahr. So rechnen die Menschen beispielsweise mit Glück und Segen, guten Ernten und Liebesglück, wenn die Zweige vor Weihnachten aufblühen. In einigen Regionen, vor allem in Niederösterreich, war es Brauch, Zettel mit Namen an die Zweige zu hängen. Der Person, deren Zweig zuerst aufblüht, soll es im nächsten Jahr besonders gut gehen. Hängt man die Namen potenzieller Partner an die Zweige, weist der erste blühende Zweig angeblich auf die Person hin, die man heiraten wird.

Ob man diesen etwas abergläubischen Deutungen nun Glauben schenkt oder nicht: In jedem Fall kann das Aufstellen der Barbarazweige auch heute durchaus ein schönes Naturereignis darstellen – und die vorweihnachtliche Zeit um ein weiteres kleines »Wunder« reicher machen. In der modernen Interpretation des Brauchs wird der Zweig schließlich auch als Zeichen für Jesu Geburt gesehen.

Und so funktioniert´s:

Barbarazweig BlütenFür das traditionelle Brauchhandeln müssten viele Punkte beachtet werden: So schneidet man die Zweige in der Nacht vom dritten auf den vierten Dezember vor Sonnenaufgang. Typischerweise sucht man sich einen Kirschbaum, möglich sind aber alle Obstbäume, außerdem Linde und Flieder. Heute verwendet man auch Mandelbäumchen, Forsythie, Jasmin, Weide oder Rosskastanie.

Außerdem sollte zum Abschneiden dem Brauch nach ein neues Messer verwendet und die betreffenden Zweige mit einem einzigen Schnitt von unten nach oben abgetrennt werden. Dabei darf man sich traditionell nicht von einer anderen Person ansprechen lassen und muss sich mit dem Rücken zum Baum drehen.

Natürlich hängt das Aufblühen der Zweige nicht von diesen im Brauch vorgesehenen Handlungen ab und gerade mit Kindern sind diese schwierig in die Tat umzusetzen. Geschnittene Zweige der oben genannten Bäume blühen nach etwa 20 Tagen auf, wenn man darauf achtet, Zweige mit Blütenknospen abzuschneiden. Tatsächlich sollte aber darauf geachtet werden, dass die Äste mit einem möglichst langen Schrägschnitt abgeschnitten werden, um sie dann an einem warmen Ort aufzustellen, etwa in der Nähe einer Heizung oder des Ofens.
[Freya Fleischmann und Janina Hofmann]