Leselust statt LesefrustLeselust statt Lesefrust

Warum Lesen für Kinder so wertvoll ist. Pippi Langstrumpf, Emil und die Detektive, Winnetou oder Tom Sawyer – sie alle haben uns als Kinder in aufregende Fantasiewelten fernab des Kinderzimmers entführt. Alles, was wir dazu brauchten, waren ein gutes Buch, Spaß am Lesen und eine Taschenlampe unter der Bettdecke.


Viele der Bücher von damals sind heute Klassiker und begeistern die jungen Leser noch genauso wie früher. Doch auf dem Büchermarkt gibt es jedes Jahr Tausende von Neuheiten, aus denen Kinder und Eltern ihren Lesestoff auswählen können. Aber welche Bücher eignen sich für mein Kind? Welche Lektüre ist pädagogisch wertvoll? Und wovon sollte man lieber die Finger lassen?


Eltern sollen Angebote machen

Am sinnvollsten ist es, die (Schul)-Kinder ihre Bücher weitgehend selbst auswählen zu lassen. »Eltern sollten zwar Angebote machen, aber die Kinder niemals mit dem Holzhammer zu einem bestimmten Buch zwingen«, weiß Friederike George, Leiterin der Freisinger Stadtbibliothek, aus Erfahrung. Die Stadtbibliothek selbst sei schon eine Auswahl, da hier ausschließlich Bücher im Regal stünden, die von den Bibliotheksmitarbeitern für gut befunden worden seinen. Auch Irmgard Koch, Literaturpädagogin und Mitbegründerin der vom Modern Studio Freising ins Leben gerufenen Jugendbuchwochen, meint, man sollte die Kinder in dieser Hinsicht nicht pushen, sondern ziehen. Also einfach mal ein Buch, das man selbst für gut hält, zuhause herumliegen lassen. Aber es ist nach Kochs Ansicht auch in Ordnung, wenn der Sprössling Comics liest – solange diese nicht die einzige Lektüre sind.


Die Stadtbücherei bedeutet eine große Entlastung für den Geldbeutel

Die Stadtbibliothek gibt den Eltern zahlreiche Instrumentarien an die Hand, um sich über wirklich gute Kinderbücher zu informieren. Es liegen Listen aus wie »Die sieben Besten« , die monatlich von Experten des Deutschlandradios ausgewählt werden, die Empfehlungen der SZ Kinderbuchseite oder Vorschläge aus Fachzeitschriften wie »Eselsohr« oder »Bücherwurm«. Ein besonderes Gütesiegel für ein Buch ist die Auszeichnung mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis oder die Nominierung dafür.

Seit Dezember bekommen schon Dreijährige einen Büchereiausweis, mit dem sie sich Bücher, Kassetten, DVDs und Spiele kostenlos ausleihen können. Erst ab 16 Jahren fällt ein Jahresbeitrag von 5 Euro an. 950 Kinder und Jugendliche nutzen derzeit diesen Service, das sind fast ein Viertel aller Mitglieder der Stadtbücherei. Für Eltern von richtigen Leseratten wie der 8jährigen Luisa, die pro Woche locker drei bis vier Bücher verschlingt, bedeutet die kostenlose Ausleihe in der Stadtbücherei eine große Entlastung für den Geldbeutel. Der Nachteil: Für Bestseller wie die begehrten Harry Potter Bände von J.K. Rowling existieren oft sehr lange Wartelisten.


Manche Bücher möchte man einfach besitzen und immer wieder lesen

Also doch der Weg in die Buchhandlung. Manche Bücher möchte man eben einfach besitzen und immer wieder lesen. Schon der Schriftsteller und Goethe-Zeitgenosse Jean Paul stellte fest: »Ein Buch, das nicht wert ist, zweimal gelesen zu werden, ist auch nicht wert, dass man’s einmal liest.« Deshalb machen es sich die jungen Leser bei der Auswahl auch nicht leicht. Katrin Grießhaber von der Buchhandlung Pustet in Freising beobachtet, dass die Jugendlichen sich meist mit acht bis zehn Büchern in die Leseecke zurückziehen und erst nach reiflichem Überlegen eines aussuchen und kaufen. Oft wird dies ein Buch sein, das auf den Bestsellerlisten steht, denn auch die engagierteste Buchhandlung kann es sich heute nicht mehr leisten, eine breite Auswahl vor den Kommerz zu stellen. Die Jahresbestellerliste 2005 des Online-Händlers Amazon für Kinder- und Jugendliteratur weist sieben Harry Potter Bücher (Hardcover und Paperback) unter den ersten 20 Titeln aus. Auf Platz 2 und 3 landeten »Tintenblut« und »Tintenherz« der »deutschen J.K. Rowling«, Cornelia Funke. Dies belegt den schon seit Jahren anhaltenden Trend zum Thema Zauber- und Phantasiewelten. »Die Chroniken von Narnia«, in den 50er Jahren von dem britischen Literaturwissenschaftler C.S.Lewis verfasst und durch den aktuellen Disneyfilm zu neuem Leben erweckt, gehen ebenfalls in diese Richtung. »Jahrelang standen die Narnia-Bücher bei uns herum und verstaubten« amüsiert sich Friedericke George, »und nun sind sie begehrt wie nie«.


Die Eltern sollten als mündige Leser eine Vorbildfunktion einnehmen

Häufig bedingen sich also auch die Erfolge von Film und Buch. Berührungsängste mit audiovisuellen Medien hält Friedericke George jedoch für völlig unbegründet. »Es gibt wunderbare Hörbücher und Filme für Kinder und Jugendliche«. Auch Irmgard Koch beurteilt viele Neuverfilmungen, zum Beispiel die der Kästner-Klassiker »Das Fliegende Klassenzimmer« oder »Emil und die Detektive« als sehr gelungen. Ihr Tipp: Das Buch möglichst vor dem Filmkonsum servieren. 

Bei der Antwort auf die zentrale Frage, »wie kann ich mein Kind zum Lesen motivieren?«, sind sich die Experten weitgehend einig: Die Eltern sollten als mündige Leser eine Vorbildfunktion einnehmen. Aber auch engagierte Erzieher können den Kindern das Lesen schmackhaft machen, beispielsweise durch die Teilnahme an dem erfolgreichen Projekt »Antolin.de«. Lehrer melden ihre Schüler an und richten ein Punktekonto für sie ein. Die Schüler gehen dann nach der Lektüre eines Antolin-Buches ins Internet und beantworten Fragen zum Buch.


Ein ganz wichtiges Thema, um den Nachwuchs an Bücher heranzuführen, ist das regelmäßige Vorlesen.

Literaturpädagogin Irmgard Koch bietet ebenfalls Leseprojekte in Zusammenarbeit mit verschiedenen Grundschulen im Landkreis Freising an. Sie wünscht sich hier allerdings noch mehr Unterstützung und Interesse von Eltern und Lehrern. »Teure Autorenlesungen lohnen sich leider nicht, da es hier immer noch zu wenig Resonanz dafür gibt«, so Koch. Für eine tolle Sache hält sie die regelmäßigen Vorlesenachmittage für Kinder in der Stadtbücherei Freising, die jedoch nur mäßig besucht sind. Leider. Die Kinder bekommen eine ausgewählte Geschichte vorgelesen, danach können sie dazu Fragen stellen, diskutieren, malen und spielen. Ganz spielerisch tauchen sie so ein in die wunderbare Welt der Bücher und Geschichten. Ein ganz wichtiges Thema, um den Nachwuchs an Bücher heranzuführen, ist das regelmäßige Vorlesen. Irmgard Koch empfiehlt, auch Kindern, die schon lesen können, weiterhin vorzulesen: Altersgemäße Lesebücher zum selber lesen , etwas komplexere und anspruchsvollere Bücher zum vorlesen - so kommt keine Langeweile auf und die Kids werden geistig gefordert.
[Katrin Ruiz]


Internetadressen:
www.antolin.de
Onlineprogramm zur Leseförderung 
in Zusammenarbeit mit Schulen

www.buecherkinder.de
Website für Kinder- und Jugendliteratur 
mit Bewertungen von Kindern und Eltern

www.dradio.de/dlf/sendungen/bestensieben/
Monatliche Bestenliste für Kinderbücher

www.stadtbibliothek.nuernberg.de/spezialbibliothek/
jugendliteraturpreis.html

(Liste aller mit dem Dt. Jugendliteraturpreis
prämierten Bücher zum Herunterladen)

Bibliotheken:
Stadtbibliothek Freising
Obere Hauptstr. 52
85354 Freising
Tel.: 08161/53726
bibliothek@freising.de
Vorlesenachmittag für 
Kinder ab 5 Jahren: 
Mittwochs, 15 Uhr

Pfarrbücherei 
St. Lantpert 
Erdinger Straße 
direkt neben der Kirche
85356 Freising-
Lerchenfeld
Tel.: 08161/883687

Stadtbücherei Moosburg
Kirchgäßchen 2
85368 Moosburg
Tel.: 08761/63524
www.stadtbuecherei
@moosburg.org

Stadtbücherei 
Fahrenzhausen
Hauptstr. 17
85777 Fahrenzhausen
Tel.: 08133/994960

Gemeindebücherei 
Allershausen
Kulturtreff Allershausen
Münchener Str. 12
85391 Allershausen
08166/993170
buecherei-allershausen.de

Gemeindebücherei Eching
Danziger Str. 5
85386 Eching
Tel.: 089/3194618
echingbuecherei
@t-online.de
Regelmäßige Vorlesenachmittage für Kinder

Gemeindebücherei 
Hallbergmoos
Freiherr-von-Hallberg-Platz 1
85399 Hallbergmoos
Tel.: 0811/3529
buecherei
@hallbergmoos.de

Gemeindebücherei 
Neufahrn
Marktplatz 21
85375 Neufahrn
Tel.: 08165/908445
bib.neufahrn@t-online.de
Aktion Buchpate: Unterstützen Sie die
Bücherei durch eine Buchspende

Gemeindebücherei 
Nandlstadt
Marktstr. 21
85405 Nandlstadt
Tel.: 08756/962515

Gemeindebücherei 
St. Quirin
85402 Kranzberg
Tel.: 0160/95251381

Gemeindebücherei Zolling
Heilmaierstr. 12
85406 Zolling
Tel.: 08167/9311

Buchhandlungen
Kyrios
Untere Hauptstr. 33
85354 Freising
Tel.: 08161/91744

Bücher Pustet
Obere Hauptstr. 45
85354 Freising
Tel.: 08161/537730
www.pustet.de

Weltbild plus 
Buchhandlung
Untere Hauptstr. 18
85354 Freising
Tel.: 08161/144934

Wölfle Family Book
Obere Hauptstr. 15
85354 Freising
Tel.: 08161/140420

Wölfle
Obere Hauptstr.
85354 Freising
Tel.: 08161/170020
Bertelsmann Club Freising
Obere Hauptstr. 43
Tel.: 08161/3816

Barbaras Bücherstube
Auf dem Gries 8
85368 Moosburg
Tel.: 08761/9230

Bücherstube
Theresienstr. 60
85399 Hallbergmoos
Tel.: 0811/9989748
Echinger Bücherladen 
Danziger Str. 2
85386 Eching
Tel.: 089/3191891

Bücher Bernhard
Bahnhofstr. 39
Neufahrn
Tel.: 08165/2221

Organisationen
Modern Studio Freising
Literarischer Herbst, 
Jugendbuchwochen
www.modern-studio.de