Grünes Licht für Kinder im StraßenverkehrGrünes Licht für Kinder im Straßenverkehr

Ob mit dem Fahrrad, mit dem Dreirad oder zu Fuß – tagtäglich sind schon unsere Kleinsten im Straßenverkehr unterwegs. Damit die Kids sicher und unbeschadet durch den auch in Freising oft hektischen Straßenverkehr gelangen, müssen sie frühzeitig lernen, Gefahren zu erkennen und Verkehrsregeln einzuhalten.


Die Unfallstatistik fällt beunruhigend aus: Im Jahr 2004 verunglückten laut Statistischem Bundesamt in ganz Deutschland 37.285 Kinder unter 15 Jahren im Straßenverkehr, die meisten davon als Beifahrer im Auto oder auf dem Fahrrad. 

Zehn Uhr morgens, auf dem Fahrradübungsplatz der Grundschule Allershausen steht das Regenwasser. Es nieselt ununterbrochen und es weht ein kalter Wind. Den 21 Buben und Mädchen der Klasse 4a der Kirchdorfer Grundschule, die heute hier ihr Fahrradtraining absolvieren, scheint die ungemütliche Witterung jedoch nichts auszumachen. In regenfester Kleidung, die Fahrradhelme fest auf den Kopf geschnallt, stehen sie in Reih und Glied am aufgemalten Fahrbahnrand und lauschen aufmerksam den Ausführungen des Verkehrserziehers, Polizeioberkommissar Richard Vogelmann.

Schon vor dem Losfahren gibt es einiges zu beachten, Leonhardt macht es vor: rechts vom Fahrrad stehen – auf der Gehwegseite also – aufsteigen, linken Arm lösen, umschauen, wieder nach vorne schauen, beide Hände an den Lenker, losfahren. Richard Vogelmann und seine Kollegin Bettina Pelikan beziehen die Kids durch Fragen immer wieder ein. Auf welcher Seite muss Leonhardt wieder absteigen? Was ist bei Hindernissen auf der Fahrbahn zu beachten? Auf welche Gefahren weisen die Verkehrszeichen hin? Wie verhält man sich, wenn plötzlich Gegenverkehr auftaucht? Die Kirchdorfer Schüler sind fit, bei fast jeder Frage schnellen alle Finger eifrig in die Höhe. Vogelmann lobt die hervorragende theoretische Vorbereitung der Klasse durch Ingrid Teutsch, die Klassenleiterin: »Das ist ein Traum, einen solchen Start habe ich mir nach der Winterpause gewünscht«. 

20 Stunden fächerübergreifenden Verkehrsunterricht sollen die Schulen in der ersten und vierten Klasse anbieten, jeweils zehn Stunden in der zweiten und dritten Klasse. Die mobile Jugendverkehrsschule von Richard Vogelmann beansprucht insgesamt acht Unterrichtseinheiten inklusive Prüfung. Pro Schuljahr besuchen Vogelmann und Pelikan 34 vierte Klassen, also circa 850 Schüler. In ihrem Laster bringen die Verkehrserzieher verkehrssichere Fahrräder, Verkehrsschilder und weitere Hilfsmittel direkt zu den Übungsplätzen, auf denen wie auf einer richtigen Straße, Fahrbahnmarkierungen und Zebrastreifen aufgezeichnet sind.


Gut Sitzende Helme und helle Kleidung sollten eine Selbstverständlichkeit sein

Leider sind nicht alle Klassen so prima vorbereitet wie die Kirchdorfer 4a, bedauert Vogelmann. Manche Kinder können in der vierten Klasse kaum Radfahren, haben Konzentrations- und Motorikschwächen und sind bei komplizierten Mehrfachhandlungen, wie beispielsweise dem Linksabbiegen, völlig überfordert. Ein Trend, den der engagierte Verkehrstrainer seit einigen Jahren verstärkt beobachtet. Und so schaffen am Ende nur circa 70 bis 75 Prozent der Schüler die Fahrradprüfung und bekommen den begehrten Fahrerpass und die Urkunde.

Vogelmann appelliert deshalb an die Eltern, mit den Kindern zu üben. Seine Tipps: kleine Besorgungen mit dem Fahrrad erledigen, das Kind vor sich her fahren lassen, es beobachten und durch Zurufen auf eventuelle Gefahren aufmerksam machen, Radwege nutzen, Verkehrsregeln erklären. Gut sitzende Helme und helle Kleidung, am besten mit Reflektoren versehen, sollten ebenfalls eine Selbstverständlichkeit sein. Um die Sicherheit im Umgang mit dem Fahrrad zu trainieren, sollten die Eltern mit den Kinder erst einmal auf 
Plätzen und Wegen ohne oder mit nur geringem Verkehrsaufkommen üben.


Verkehrserziehung beginnt bereits im Kindergartenalter

Insgesamt tragen die ständigen Bemühungen der Polizei und der Verkehrswacht dazu bei, dass sich die Sicherheit für die Freisinger Kinder in den vergangenen Jahren erheblich verbessert hat. Im Jahr 2006 gab es in der Stadt Freising nur zwei Unfälle mit zwei leichtverletzten Kindern, im Landkreis waren es vier Unfälle mit vier leicht verletzten Kinden. Seit Einführung der Jugendverkehrsschule im Jahr 1973 sind gerade die Schulwegunfälle trotz des steigenden Verkehrsaufkommens (3 Prozent Zulassungssteigerung jährlich) drastisch zurückgegangen. 

Verkehrserziehung beginnt bereits im Kindergartenalter. Eltern sollten schon den Kleinsten beibringen, auf dem Gehweg die Gartenzaunseite zu benutzen, die Straße nur bei grüner Ampel oder über den Zebrastreifen zu überqueren, Blickkontakt mit den Autofahrern oder den anderen Verkehrsteilnehmern zu suchen. Außerdem sollten drei- bis fünfjährige bereits wissen, dass sie nicht zwischen parkenden Autos oder ähnlichen Sichthindernissen auf die Straße gehen dürfen. Sie sollten die Gefahren von Ein- und Ausfahrten kennen und ihre Adresse auswendig wissen. 

Vor dem ersten Schultag schließlich ist ein ausführliches Schulwegtraining notwendig. Sinnvoll ist es, wenn die Eltern mit ihrem Kind den Schulweg mehrmals gemeinsam abgehen und ihm erklären, wo Gefahren lauern. Sie sollten ihm zeigen, wo es Ampeln und Zebrastreifen in der Umgebung gibt, damit es immer sicher über die Straße gehen kann. Eine gute Idee ist es, das Kind dann den Weg alleine gehen zu lassen und ihm unauffällig in einigem Abstand zu folgen. Wenn man Fehler entdeckt, kann man die ABC-Schützen später in aller Ruhe darauf aufmerksam machen. 

»Zebrastreifen, Zebrastreifen, mancher wird Dich nie begreifen« heißt es in einem bekannten Kinderlied von Rolf Zuckowski. Tatsache ist, dass Kinder die Grundregeln am gestreiften Fußgängerüberweg oft besser beachten als die erwachsenen Verkehrsteilnehmer. Das beobachtet auch Christine Lange, die seit drei Jahren als Schülerlotsin an der Paul-Gerhardt Schule in der Düwellstraße/Ecke Pallottinerstraße die Kinder sicher über den Zebrastreifen leitet. Da zu dem Schulkomplex eine Grundschule, eine Hauptschule und eine Realschule gehören, ist morgens vor Schulbeginn richtig was los.


Die Kinder machen es den Großen einfach nach und begeben ich dadurch in Gefahr

Christine Lange fällt immer wieder auf, mit welch schlechtem Vorbild die Erwachsenen – auch Väter und Mütter – den Kindern vorangehen. Klar, Erwachsene überblicken eine Verkehrssituation schneller, haben einen größeren Blickwinkel und können Geschwindigkeiten und Entfernungen besser einschätzen. Doch die Kinder, die noch ein eingeschränktes Gesichtsfeld haben, eine weniger entwickelte Wahrnehmungsfähigkeit besitzen und eine längere Reaktionszeit benötigen, machen es den Großen einfach nach und begeben sich dadurch in Gefahr. »Die Kinder müssen lernen, am Straßenrand grundsätzlich erst einmal stehen zu bleiben, bevor sie die Straße überqueren«, sagt Lange »ich bin nur eine Überquerungshilfe, die Kids müssen trotzdem die Augen offen halten.« Die selbstbewusste Schulweghelferin scheut sich nicht, Verkehrssünder, egal ob Fußgänger, Radler oder Autofahrer, die ihre rote Stop-Kelle missachten, zu einem klärenden Gespräch aufzufordern. Mit Erfolg. Mittlerweile klappt es prima und auch die älteren Realschüler und Hauptschüler verhalten sich an Langes Fußgängerüberweg vorbildlich. 

Peter Mitterhofer, Sachgebietsleiter der Unteren Straßenverkehrsbehörde Freising, weiß, wo sich in Freising die heikelsten Verkehrsknotenpunkte befinden. »Auf den Schulweg bezogen sind unter anderem das Gebiet um die Vimystraße, die Haindlfinger Straße, die Prinz-Ludwigstraße und die Düwellstraße, aber auch die Wippenhauser Straße gefährlich – besonders morgens vor acht Uhr, wenn der Schulwegverkehr und der Berufsverkehr zusammenkommen und viele Verkehrsteilnehmer unter Zeitdruck stehen.« An den entsprechenden Straßen in Freising stehen daher an jedem Schultag morgens und mittags insgesamt 27 Schulweghelfer, die bei der Stadt angestellt sind.

Die Straßenzentren mit der allgemein größten Verkehrsbelastung in Freising aber sind laut Mitterhofer die Kreuzung an der Korbiniansapotheke und die Kreuzung beim Karlwirt. Hier also gilt besonders: Augen auf, vorausschauend verhalten und vor allem auf die Kinder Rücksicht nehmen. 
[Katrin Ruiz]


Buchtipps und Internetadressen

Straßengeschichten mit Moritz und Luise
Internetseite www.moritz-und-luise.de. Mit Moritz und Luise können Kinder viele Abenteuer erleben, denn wenn sie zum Spielen rausgehen, wird es immer spannend. Sie zeigen den Kindern alles, was sie im Straßenverkehr erleben und was sie dabei lernen. Es werden Spiele, Ausmalbilder und Wissenstests angeboten und für Eltern viel Tipps geliefert, wie sie ihre Kinder fit für den Straßenverkehr machen können. Das dazugehörige Buch kann über den Shop für 14,50 Euro bestellt werden.

Tiger und Bär im Straßenverkehr
Beltz Verlag
ISBN-10: 3407798903, 12,90 Euro
Also, das Leben ist ziemlich schön, und man sollte so lange leben wie möglich. Und sich deswegen nicht überfahren lassen. Und da ist es am besten, man kennt sich im Straßenverkehr gut aus. Das weiß auch der kleine Tiger. Hier zeigt er dem kleinen Bären und uns, wie man vorsichtig über die Straße geht und worauf man sonst noch alles achten muss im Straßenverkehr.

Paß auf im Straßenverkehr
aus der Serie Wieso?Weshalb?Warum?
Ravensburger Buchverlag 
ISBN-10: 3473332755, 12,95 Euro
Ein wichtiges Sachbuch zur Verkehrssicherheit für alle Kindergartenkinder. Mit vielen Klappen werden die Grundregeln der Verkehrserziehung erklärt und trainiert.

Fridolin Fuchs. Vorsichtig im 
Straßenverkehr. 
Übungen zur Verkehrserziehung für Grundschüler

Bertelsmann Verlag
ISBN-10: 3570299252, 4,95 Euro
Kinder als fortgeschrittene Verkehrsteilnehmer finden in diesem Heft Verkehrsspiele, die Spaß machen, auf vorhandenen Kenntnissen aufbauen und diese vertiefen.

Paß gut auf kleine Motzkuh.
Oder: Wie Kinder sicher im
Straßenverkehr unterwegs sind
Coppenrath Verlag 
ISBN-10: 3815725747, 11,95 Euro
Die kleine Motzkuh lernt die verschiedenen Verkehrszeichen und die Bedeutung von Ampel und Zebrastreifen kennen. Das Bilderbuch führt auch Vorschulkinder auf spielerische und fantasievolle Weise an das Thema Verkehrserziehung heran.

Sicher im Straßenverkehr 
mit Peter Lustig
Tandem Verlag
ISBN-10: 3898510301, 4,99 Euro
In Begleitung von Peter Lustig lernen Kinder im Alter von 6-10 Jahren zuverlässig, wie sie sich richtig im Straßenverkehr verhalten - und haben jede Menge Spaß dabei! Die wichtigsten Regeln werden leicht verständlich erklärt, und zu besonders kniffligen Situationen gibt es praktische Tipps und Anregungen.

Sicher auf der Straße
Favorit Verlag
ISBN-10: 3822741906, 5 Euro, 
Schulrektor, Günter Neidinger, hat hier in enger Zusammenarbeit mit Verkehrspsychologen ein Übungs- und Lernbuch geschaffen, in dem auf unterhaltsame Weise die Verhaltensregeln erklärt werden. In Rätseln müssen die Kinder feststellen, ob sie auch alles richtig verstanden haben. Viele Malaktivitäten lassen keine Langeweile aufkommen.