Babyschwimmern – dem Wasser vertrauen lernen

Babyschwimmen: Je früher sich ein Kind ans Wasser gewöhnt, desto leichter lernt es später schwimmen. Babys fühlen sich dort ohnehin wie im Mutterleib. Doch der Mensch ist nun mal kein Fisch. Nicht jedes Kind ist im Wasser gleich in seinem Element.


Tamara ist eine echte Wasserratte. Furchtlos läßt sich die 5jährige ins Becken plumpsen und schwimmt ihrer Lehrerin Andrea Campos hinterher. 5 Meter, 10 Meter, 15 Meter, fast 20 Meter schafft sie. »Prima, am Ende des Kurses kannst du das Seepferdchen machen«, lobt Andrea Campos. 

Kaum zu glauben, aber Tamaras hat heute erst ihre siebte Schwimmstunde. Nicht-Schwimmerbecken erklärt Andrea Campos ihren Schülern beim Toter Mann-Spielen: »Seht ihr, das Wasser trägt euch. Es geht keiner unter.« Doch gerade die eifrige Schwimmerin Tamara traut sich nun nicht, sich dem Wasser einfach bewegungslos auszuliefern. Nun strampelt auf einmal sie und kämpft gegen das Untergehen an. Keinen festen Boden unter den Füßen zu haben, ist für sie immer noch etwas beängstigendes.

Die Babys aus Andrea Eckls Babyschwimm- und Wassergewöhnungskurs fühlen sich hingegen im Wasser pudelwohl. Die Zeit in Mamas plätscherndem Bauch ist noch nicht vergessen, und außerdem werden sie ja von ihren Müttern und Vätern sicher im Arm gehalten.


Babyschwimmen ist vor allem Gymnastik für die Eltern

Babyschwimmen ist vor allem erst einmal Gymnastik für die Eltern. Die gehen mit ihren Kinder im Arm im flachen, warmen Becken auf und ab, schwenken die Kleinen hin und her und werfen sie auch mal hoch. Die Jauchzer der Sprößlinge bestätigen, dass das Wasser-Unterhaltungsprogramm gut ankommt. Die Kleinen schauen ganz entspannt, auch als Andrea Eckl jedem von ihnen Wasser über den Kopf gießt. Das jüngste der Babys ist drei Monate alt, zu jung, um Wasser für etwas Ungewöhnliches oder gar Bedrohliches zu halten. Außerdem ist das Becken im neufun am Babyschwimmtag herrlich warm geheizt.

Am Ende des Babyschwimmkurses steht Spielen auf dem Programm. Andrea Eckl kippt einen Eimer mit Spielzeug ins Becken, und die Babys können danach greifen und damit spielen – eine etwas nassere Variante einer Eltern-Kind-Spielgruppe sozusagen.


Bei der Wassergewöhnung steht Wassersicherheit im Vordergrund

Das Spielzeug bleibt auch am Ende der Babyschwimmkurse im Wasser und darf vom offenen Babyschwimmen genutzt werden. Hier können die Eltern mit ihren Kinder ohne Anleitung im Wasser plantschen oder eigene Wassergewöhnungsübungen machen. Eine Möglichkeit für Familien, die aus Zeitgründen nicht regelmäßig an einem Kurs teilnehmen können oder an einen bereits absolvierten Kurs anschließen wollen.

Ute Lüth, Schwimmlehrerin aus Eching, unterscheidet drei Ansätze, Babys und Kinder mit dem Wasser vertraut zu machen: den sportlichen, bei dem sich die Kinder viel bewegen, den meditativen, bei dem auf Klänge, Gerüche und die Wärme des Wassers Wert gelegt wird und den spielerischen, die Wasser-Eltern-Kind-Gruppe. Sie selbst praktiziert den sportlichen Ansatz. Bei ihr steht bei der Wassergewöhnung immer die Wassersicherheit und Wasserrettung im Vordergrund. Die Kinder sollen in der Lage sein, auf jede Situation im Wasser richtig und ruhig zu reagieren, so dass sie dort niemals in Gefahr geraten. »Es ist für die Eltern mit nichts aufzuwiegen, wenn sie ihr Kind beruhigt ins Wasser lassen können.«, erklärt Ute Lüth. Deshalb trainiert sie mit den Kindern neben Verhaltensregeln und dem Grundvertrauen ins Wasser als tragendem Element auch die Fitness und Ausdauer. Je länger sich das Kind über Wasser halten kann und je besser es damit vertraut ist, desto geringer das Risiko, dass es in Gefahr gerät.


Schimmen lernen ist erst ab einem Alter von 5 Jahren sinnvoll

Schwimmen lernen ist für Kinder aber erst ab einem Alter von 5 Jahren sinnvoll. Erst dann sind sie von ihrer motorischen Entwicklung her dazu wirklich in der Lage. Viele Eltern finden es wichtig, dass ihr Kind bei Schuleintritt schwimmen kann, um später im Sportunterricht nicht benachteiligt zu sein. Deshalb bieten die Freisinger Kindergärten in Zusammenarbeit mit der örtlichen Wasserwacht Schwimmkurse für Vorschüler an. Und wo die Initiative nicht vom Kindergarten ausgeht, organisieren sich die Eltern oft selbst und melden sich als Gruppe bei einem Schwimmlehrer an.

Leider herrscht in der Region Freising ein Mangel an öffentlichen Hallenschwimmbädern. Außer dem neufun, dem Städtischen Hallenbad Freising und dem Moosburger Schwimmbad gibt es keine Möglichkeiten, mit dem eigenen Kind unabhängig von Schwimmkursen auch bei schlechtem Wetter baden zu gehen. Viele Schwimmlehrer jedoch sind findig und haben Vereinbarungen mit privaten Bädern getroffen, und so können Kinder mittlerweile auch im Schloß Hohenkammer schwimmen lernen oder sich im Freisinger Krankenhaus an das Wasser gewöhnen.


Die Chlorkonzentration ist in privaten Schwimmbädern äußerst gering

Da die privaten Schwimmbäder weniger genutzt werden, müssen sie auch nicht so stark gereinigt werden, so dass, erzählt Ute Lüth, die Chlorkonzentration dort äußerst gering ist. Denn der Chlorgehalt im Wasser hält so manche Familie davon ab, mit ihrem kleinen, empfindlichen Baby in ein Schwimmbad zu steigen. Immerhin handelt es sich bei Chlor um eine hochgiftige Chemikalie. Im Vergleich zu den Zeiten, als die Eltern selbst Kinder waren und ein Schluck Schwimmbadwasser genügte, um Hustenkrämpfe auszulösen, wird Chlor heute jedoch bei der Wasserreinigung in weit geringerer Konzentration eingesetzt. Und so kann sich Tamara weiterhin mutig ins Wasser stürzen, 
ohne mit roten Augen wieder aufzutauchen.
[Elke Virginia Koch]