Mutismus
Jana zeigt seit ihrer Geburt ein ängstliches Verhalten. Seit zwei Jahren geht sie in den Kindergarten. Bis heute spricht sie nicht mit den Erzieherinnen und den anderen Kindern. Jana steht im Raum meist an einer Wand und spielt nicht mit. Sie soll nächstes Jahr eingeschult werden. Trotz normaler Intelligenz spricht das Fachpersonal von Förderschule.
Julia ist 17 Jahre. Weder im Kindergarten noch in der Schule hat sie gesprochen. Nach der 3. Klasse wurde sie trotz normaler Intelligenz an die Förderschule verwiesen. Sie hat inzwischen 3 Monate in der Psychiatrie verbracht und nimmt Antidepressiva. Bis heute hat sie außerhalb der Familie noch nie gesprochen. Freundinnen haben sich zurückgezogen. Sie hat keinen Beruf. Zwei berührende Schicksale von mindestens 40.000 Menschen in Deutschland, die obwohl organisch gesund, nicht sprechen – nicht mit Fremden oder in fremder Umgebung. Es könnte sich um elektiven Mutismus handeln.
Da der Leidensdruck hinter einer mutistischen Störung leicht verkannt wird, geschieht Therapie oft sehr spät. Die Betroffenen weichen sozialen Kontakten aus. Zwangsläufig entstehen so soziale Beeinträchtigungen. Über Jahre bestehend, hinterläßt dies unweigerlich Spuren in der Persönlichkeit. Sprechen fällt auch als Mittel zum Wissenserwerb aus, was wiederum zu intellektuellen Defiziten führen kann.
In der Mehrzahl betrifft Mutismus Mädchen (2:1), die als schüchtern, gehemmt, ruhiges Temperament, unsicher, zurückgezogen, sozial isoliert, kontaktarm geschildert werden. Die Zäsur kommt meist mit dem Eintritt in den Kindergarten. Dort fallen sie durch das Nichtsprechen, keinen Aufbau von Sozialkontakten, Verweigerung von Anforderungen, auf.
Da das Wissen in Fachkreisen oft zu gering ist, kommt es häufig zu Beschwichtigungen der Eltern, so z.B. »Das wächst sich noch aus. Lassen sie ihr doch Zeit!«. Doch genau dies haben die Kinder nicht. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) weist eindringlich darauf hin: wenn ein Kind länger als 4-6 Wochen in fremden, sozialen Situationen nicht spricht, besteht Handlungsbedarf – muß Hilfe gesucht werden.
[Irmgard Emmerling]
Mutismus Selbsthilfe Deutschland e.V.
Niederstraße 48
40789 Monheim
Julia ist 17 Jahre. Weder im Kindergarten noch in der Schule hat sie gesprochen. Nach der 3. Klasse wurde sie trotz normaler Intelligenz an die Förderschule verwiesen. Sie hat inzwischen 3 Monate in der Psychiatrie verbracht und nimmt Antidepressiva. Bis heute hat sie außerhalb der Familie noch nie gesprochen. Freundinnen haben sich zurückgezogen. Sie hat keinen Beruf. Zwei berührende Schicksale von mindestens 40.000 Menschen in Deutschland, die obwohl organisch gesund, nicht sprechen – nicht mit Fremden oder in fremder Umgebung. Es könnte sich um elektiven Mutismus handeln.
Da der Leidensdruck hinter einer mutistischen Störung leicht verkannt wird, geschieht Therapie oft sehr spät. Die Betroffenen weichen sozialen Kontakten aus. Zwangsläufig entstehen so soziale Beeinträchtigungen. Über Jahre bestehend, hinterläßt dies unweigerlich Spuren in der Persönlichkeit. Sprechen fällt auch als Mittel zum Wissenserwerb aus, was wiederum zu intellektuellen Defiziten führen kann.
In der Mehrzahl betrifft Mutismus Mädchen (2:1), die als schüchtern, gehemmt, ruhiges Temperament, unsicher, zurückgezogen, sozial isoliert, kontaktarm geschildert werden. Die Zäsur kommt meist mit dem Eintritt in den Kindergarten. Dort fallen sie durch das Nichtsprechen, keinen Aufbau von Sozialkontakten, Verweigerung von Anforderungen, auf.
Da das Wissen in Fachkreisen oft zu gering ist, kommt es häufig zu Beschwichtigungen der Eltern, so z.B. »Das wächst sich noch aus. Lassen sie ihr doch Zeit!«. Doch genau dies haben die Kinder nicht. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) weist eindringlich darauf hin: wenn ein Kind länger als 4-6 Wochen in fremden, sozialen Situationen nicht spricht, besteht Handlungsbedarf – muß Hilfe gesucht werden.
[Irmgard Emmerling]
Mutismus Selbsthilfe Deutschland e.V.
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