©Foto: Kinderkompass/privat

Ehrenämter: In meiner Freizeit engagiere ich mich

Kinder und Jugendliche in Ehrenämtern: Die meisten Vereine, Kirchen, Notdienste, Verbände und Hilfsorganisationen haben eines gemeinsam – ohne den Einsatz ehrenamtlicher Helfer würden sie entweder gar nicht oder nur halb so gut funktionieren. Schön, wenn auch schon Kinder lernen, dass es superspannend sein kann, sich in seiner Freizeit für Mitmenschen, Tiere oder für einen guten Zweck zu engagieren.


Für die 13jährige Kathrin und die 12jährige Linda ist ihre freiwillige Pflegetätigkeit in der Freisinger Tierauffangstation keine Arbeit. Im Gegenteil. »Wir lieben Tiere über alles und hier zu helfen macht viel mehr Spaß und viel mehr Sinn, als irgendwo in der Stadt abzuhängen«, da sind sich die Freundinnen einig. In den Sommerferien kommen sie regelmäßig zu den Öffnungszeiten vormittags ab10 Uhr und nachmittags ab 17.30 Uhr in die Auffangstation im Wertstoffhof Freising. Hier landen herrenlose Haustiere, die irgendwo im Stadtgebiet aufgefunden worden sind und nun in ein neues Zuhause vermittelt werden sollen. Trotz vieler anderer Hobbys wie Tanzen, Klavierspielen oder Handball nehmen sich die Kathrin und Linda Zeit für ihre Schützlinge. Liebevoll kümmern sich die Gymnasiastin und die Realschülerin um die Katzen und die beiden Zwergkaninchen, die wenige Tage zuvor in einer kleinen Pappschachtel ausgesetzt und von einer Finderin in die Station gebracht wurden. Es gibt immer viel zu tun: füttern, ausmisten, das Fell bürsten oder einfach nur streicheln und spielen. Die Tiere freuen sich über jede Aufmerksamkeit, die Verantwortlichen des Tierschutzvereins über die wertvolle Hilfe.


Gesellschaftliches Engagement ist in

Das belegen auch die Zahlen der Jugendfeuerwehr im Landkreis. Über 400 Kinder im Alter von 12 bis 18 Jahren, fast ein Viertel davon Mädchen, sind in den 84 Feuerwehren aktiv, berichtet Manfred Danner, Kreisjugendwart der Freisinger Feuerwehren. Hier lernen die zukünftigen Feuerwehrmänner und -frauen alles, was sie wissen müssen, um mit 18 Jahren zum erstenmal zu einem echten Einsatz ausrücken zu können. Wenn es soweit ist, werden sie Feuer löschen, Straßen nach Unwettern frei räumen und Erste Hilfe leisten – und all das, ohne einen Cent zu verdienen. Alles, was sie dafür bekommen, ist das gute Gefühl, sich für die Gemeinschaft einzusetzen, etwas Sinnvolles zu tun.

Sinnfindung statt Vergnügungssucht? Arbeiten ohne Kohle? Soziales Engagement statt Konsum? Pure Selbstlosigkeit ist sicherlich nicht das einzige Motiv, das die Kids dazu bewegt, sich in einer sozialen Vereinigung oder einem Jugendverband zu engagieren. Der Hauptbeweggrund ist natürlich der damit verbundene Spaß. Egal ob Pfandfinder, Feuerwehrjugend, Jugendrotkreuz oder Sportverein – überall wird das gemeinsame Erleben großgeschrieben. Ausflüge, Zeltlager und Reisen stärken das Wir-Gefühl und schaffen Freundschaften. 

Feuerwehrjugendwart Danner hat für das kommende Jahr mit den Jugendlichen ein ganz besonderes Projekt vor. Im Rahmen der Aktion »Drei Tage Zeit für Helden« von Bayerischen Kreisjugendring und Bayern 3 will er mit den Kids in Marchenbach einen Niederseilgarten errichten. Dass seine Feuerwehrjugend sozusagen mit Feuer und Flamme bei der Sache sein wird, steht für ihn außer Frage. »Bei uns lernen die Jugendlichen soziales Engagement und helfen gerne mit.«


Aufstehen statt ausschlafen

Auch in der Kirche ist es seit jeher üblich, dass Kinder und Jugendliche sich aktiv beteiligen. So wie Mario, der seit zwei Jahren als Ministrant in der Gemeinde St. Georg in Freising den Gottesdienst mitgestaltet. Das bedeutet aufstehen statt ausschlafen, und das fast jeden Sonntag. Dem 12jährigen Realschüler macht das nichts aus, schließlich sind alle seine Freunde ebenfalls in der Truppe und gemeinsam haben sie einen Riesenspaß. Während der Messe allerdings müssen sie sich zusammenreißen, die meiste Zeit stillsitzen und sich auf ihre Aufgabe konzentrieren. Mario ist heute mit der Gabenbereitung dran. Er bringt dem Pfarrer die Hostienschale, den Kelch und die Serviette. Ministrieren will gelernt sein, damit im Gottesdienst alles reibungslos abläuft. Bevor die Jungs und Mädchen in Talar und Chor-Rock (so heißt die »Ministrantenuniform«) den Geistlichen assistieren dürfen, üben sie in den Gruppenstunden, wie es geht.

Alle Kinder, die katholisch sind und die Hl. Erstkommunion empfangen haben, können Ministrant werden. Seit 11 Jahren sind endlich auch Mädchen dabei. Eine der ersten weiblichen Ministrantinnen war Veronika Heinritzi, heute Oberministrantin in St. Georg. Sie freut sich, dass es in ihrer Gemeinde keine Nachwuchsprobleme gibt: »Jedes Jahr bekommen wir eine neue Gruppe von ungefähr 10 Ministranten zusammen«.


Eine Tugend, die auch im späteren Leben weiterhilft

Neben dem eigentlichen Ministrieren gestalten die Ministranten auch den Maibaum und den Fronleichnamsteppich auf dem Marienplatz und fahren im Sommer zusammen in die Jugendherberge. Heinritzi findet es gut, dass die Kinder neben dem Dienst an der Gemeinde auch lernen, sich zu disziplinieren, sich am Riemen zu reißen. Eine Tugend, die auch im späteren Leben weiterhilft. Wer im Dienstplan steht, kann eben nicht einfach schwänzen. Auch für das Ministrieren gibt es keine monetäre Entlohnung, bis auf wenige Ausnahmen: »Manchmal spendieren uns bei einer Taufe die Täuflingseltern ein bisschen was«, sagt Mario, aber so wichtig scheint ihm das nicht zu sein.

Oft kommen Kinder über ihre Eltern dazu, sich sozial zu engagieren. In Deutschland sind laut Internet-Lexikon Wikipedia 23 Millionen Menschen über 14 Jahren ehrenamtlich tätig. Die Aufgaben sind so vielfältig wie die Menschen, die sie ausfüllen. Altenpflege, Telefonseelsorge, Hausaufgabenhilfe, Tierschutz, Sportvereine, Behinderteneinrichtungen, Berghüttenbetreuung, Katastrophenschutz. Je nach Begabung und Interesse gibt es für jeden eine Möglichkeit, seine individuellen Fähigkeiten einzubringen. Voll einsetzbar sind Jugendliche aus versicherungstechnischen Gründen erst ab 16 bzw. 18 Jahren. Doch bis dahin haben sie innerhalb der entsprechenden sozialen Einrichtung die Chance, viel zu lernen: Erste-Hilfe-Maßnahmen bei den Maltesern und beim Jugendrotkreuz, alles über den Naturschutz bei den Naturfreunden Freising und beim Bund Naturschutz oder Katastrophenschutz beim THW.


Wer hilft, bekommt sehr viel zurück

Frank Leuner, heute ehrenamtlich für die Öffentlichkeitsarbeit der Wasserwacht Eching zuständig, begann schon im Altern von acht Jahren und ist bis heute als Rettungsschwimmer aktiv. »Unsere Jugendarbeit beinhaltet eine Schwimmausbildung, später auch die Ausbildung zum Rettungsschwimmer sowie Erste Hilfe.« Kinder können natürlich nur unter Aufsicht mithelfen, zum Beispiel am Badesee Fernglaswache halten oder mal ein Pflaster auflegen. Außerdem helfen alle einmal im Jahr, Anfang Mai, einen ganzen Samstag lang, das Ufer des Echinger Sees von Unrat zu befreien. 

Informationen über Jugendverbände, die sich soziales Engagement zur Aufgabe gemacht haben, kann man beim Kreisjugendring Freising bekommen. Ansonsten einfach Augen und Ohren offen halten, denn freiwillige Helfer werden überall gesucht. Wer es ausprobiert, wird feststellen, dass man für seine Hilfe sehr viel zurückbekommt. In den meisten Fällen Dinge, die mit Geld nicht zu bezahlen sind: Ein dankbares Wort, einen neuen Freund oder einfach das schöne Gefühl, die Welt ein wenig menschlicher zu gestalten.

[Katrin Ruiz]


Adressen:

Bayerisches Rotes Kreuz Freising
Rotkreuzstraße 13/15
Tel.: 08161/9671-0

Tierschutzverein Freising
Parkstraße 19
85356 Freising 
Tel.: 08161/145875

Dt. Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG)
Rindermarkt 10
85354 Freising
Tel.: 08161/4808-60
www.dpsg-freising.de
DPSG Hallbergmoos,
www.dpsg-hallbergmoos.de
DPSG Moosburg,
Tel.: 08761/60338

Jugendfeuerwehren Bayern 
www.jugendfeuerwehr-bayern.de
Kreisjugendwart: Manfred Danner, 
Thonstetten 26
85368 Moosburg
Tel.: 08761-62717

Malteser Hilfsdienst
Prinz-Ludwig-Straße 48
85354 Freising
Tel.: 08161/936990
www.malteserjugend.de
Demnächst wird eine neue Jugendgruppe für Kinder ab 
11 Jahren gegründet, in der Erste Hilfe gelehrt wird und 
gemeinsam verschiedene Freizeitaktivitäten unternommen 
werden. Jeder, der Spaß am Helfen hat, kann mitmachen. 
Obwohl die Malteser eine christliche Vereinigung sind, ist 
es keine Voraussetzung, katholisch zu sein. 
Anmeldungen und Info unter Tel.: 0170/7318262 

Wasserwacht Eching
www.wasserwacht-eching.de
Weitere Ortsgruppen in Kranzberg, Freising, 
Moosburg, Neufahrn und Nandlstadt

Kreisjugendring Freising
www.jugend-freising.de
Unter der Rubrik Jugendverbände finden sich zahlreiche 
Organisationen, in denen sich Jugendliche im Landkreis 
sozial engagieren können

Bayerischer Jugendring
(u.a. Info über Projekt »Drei Tage Zeit für Helden«)
www.bjr.de

Rufbus Freising
www.rufbus-freising.de
Freiwillige Helfer (Beifahrer oder Mithilfe in der Zentrale) 
ab 16 Jahren können sich über die Webpage melden

THW Freising
(Katastrophenschutz, Technische Hilfe, 
örtliche Gefahrenabwehr für Stadt und Landkreis)
Sondermüllerweg 12
85354 Freising
Tel.: 08161/7488
Anmeldung für Jugendgruppe 
dienstags und donnerstags ab 19 Uhr
www.thw-freising.de